29 Dezember 2017

verpflegt und zugenäht



Ich muss einen etwa zwei Seiten langen Text schreiben. Thema ist: die Bedeutung der Pflegeforschung für die Pflegepraxis.
In Zeiten des Pflegenotstandes, hat dies einen Beigeschmack. Ein Fernsehsender fragt zurzeit über diverse Foren, wer bereit ist über den Pflegnotstand zu reden und wie Kliniken uns Pflegende ausbeuten. Es wird sich kaum Einer melden, wir wissen was mit Whistleblowern passiert und wir brauchen das Geld. Verdi redet von: mehr von uns, ist besser für alle. Man spricht von Streiks und dass man Betten sperren muss. Es wird von hohen Kosten geredet, die reduziert werden müssen und da fängt man am ehesten beim Personal an.

Die Reinigungsdienste werden ausgesorced, was sie billiger macht. Die Essen kommen von Franchise Firmen aus der Region und das Personal wird nach Möglichkeit reduziert.
Vor einigen Monaten hat mir ein arroganter alter Mann in einem Gespräch, außerhalb des Krankenhauses gesagt, dass ER zum Glück privat versichert sei und ihn das Gesundheitssystem somit auf Händen trüge. Ich hätte ihm gerne geantwortet, dass dies nichts an seiner pflegerischen Betreuung im Krankenhaus ändert. Das er genau so ein Opfer des Pflegenotstandes ist, wie der Kassenpatient am Tisch gegenüber, aber ich war – wie so oft – sprachlos über so viel Egoismus und Arroganz.

Und ich soll was zum Thema Pflegforschung schreiben.
Im Bauch hab dazu viel, im Kopf ein wenig und in die Tasten will es nicht. Ständig höre ich die Stimmen der Kritiker „was soll das bringen“ jetzt studiert jeder, der nicht am Bett arbeiten will“, „ich kenn da einige die waren mit dem Mundwerk ganz vorne und in der Pflege ganz hinten“ und natürlich auch meine Argumente, dass ich eben eine Praktikerin bin und keine Theoretikerin und dass wir so viel zu tun haben und alleine deshalb nicht auch noch Zeit für Forschung haben und wenn etwas erforscht ist… kommt es dann in der Praxis an?
Ich weiß warum ich mehr Forschung und mehr Akademisierung in der Pflege will. Ich will, dass schwarz auf weiß zu sehen ist, dass Pflegende den größten zeitlichen Aufwand mit und an den Patienten verbringen und dass dies eine immense Verantwortung und Anforderung an professionelles Handeln ist, die monetär zu schlecht bezahlt wird, weshalb niemand in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs diesen Berufszweig wählt.

Forschung kann belegen, dass wir professionell Pflegende mehr tun als waschen, füttern und Scheiße wischen. Wir sehen wo noch Möglichkeiten sind, wir unterstützen und beraten Angehörige, weisen auf Defizite hin, damit die ärztlichen Kollegen die richtige Behandlung und Therapie verordnen können und wir machen noch so vieles mehr.
Forschung in der Pflege kann belegen welche Maßnahmen nur aus dem Bauch heraus geschehen und keinen effektiven Nutzen für Patienten haben. Forschung kann mit den entsprechenden Arbeitsaufträgen aus der Praxis, Tätigkeiten und Arbeitsabläufe entwickeln, die wiederum für die Praxis Relevanz haben.
Und Forschung kann beweisen, dass Liegezeiten und Verweildauern durch qualitativ hochwertige Pflege, massiv reduziert werden können und somit Geld für das Gesundheitswesen sparen. Ich könnte flammende Reden halten, muss aber einen trockenen Text verfassen.

05 Dezember 2017

Wann


Mein Leben kommt mir vor wie ein einziges dickes, fettes, großes Wann! Und Wann ist nie jetzt.

Als Kind habe ich gefragt: Wann ist Weihnachten? Wann ist Ostern? Wann habe ich Geburtstag? Wann komme ich in die Schule? Und vor allem wann sind wir endlich da?
Damals gab es Erwachsene die mir die Unruhe nahmen und meine Ungeduld mit anderen Ereignissen ablenkten. „Bis Weihnahten ist es noch ganz lange hin, vorher gehst du noch ganz oft ins Schwimmbad und sammelst Kastanien.“
„Bis wir da sind, kannst du noch zwei Kassetten drei ??? hören.“
Zwischen den Ereignissen, die kommen sollten und die immer schön waren, gab es kleine Bonbons, die das Warten versüßten. Wie ein Adventskalender voller kleiner Ereignisse.

Jetzt bin ich Erwachsen und bin genauso ungeduldig und zappelig wie damals aber da ist kein Erwachsener, der mich mit schönen Dingen entschleunigt. Die Ereignisse sind meist nicht schön, im Vergleich zum kindlichen Weihnachterwarten loosen Prüfungen ziemlich ab. Die Erachsenen Wanns sind selten Wanns voller Freude und Lachen. Erwachsene Wanns sind immer mit Anstrengung und Arbeit verbunden.

Das vertrösten mit den Warteereignissen muss ich jetzt selber tun und ich bin nicht gut darin.
 Besonders schlimm war es diesen Spätsommer und Herbst, weil es so viele Wanns in meinem Leben gab.

  • Wann ist das Vorstellungsgespräch für mein Stipendium?
  • Wann ist die Äquivalenzprüfung für mein Studium?
  • Wann kommt der Bescheid wegen des Stipendiums?
  • Wann kommen die Prüfungsergebnisse der Äquivalenzprüfung?

Die Antwort schien immer „in sechs Wochen zu sein“. In sechs Wochen und bis dahin Warten, Lernen und wieder warten. Keine Kastanien und keine drei ??? Kassetten.
Mein erwachsenes Warten ist mein Synonym für mich verrückt machen.

Ich bin das Vorstellungsgespräch bis ins Detail durchgegangen habe jede meiner Antworten und Fragen rumgedreht und gewälzt. Jeder Gesichtsausdruck der Juroren wurde von mir analysiert. Ich ging so weit, dass ich sie gegoogelt habe. Ich wusste das würde mein Ergebnis nicht ändern, aber es half gegen die Hilflosigkeit, dachte ich. In der Zeit hätte ich auch in die Sauna gehen, feiern oder in Kino gehen können.
Ich habe Stunden damit verbracht mir zu überlegen, was sich tue, wenn ich eine Absage kriege oder die Prüfung nicht bestehe. Rettungsfallschirme der Reaktionspalette habe ich sie genannt. Damit ich nicht in Verzweiflung versinken würde, wenn ich negative Nachrichten erhielt.
Die Nachrichten waren alle Gut! Die Frau mit dem grottigen NRW-Abi hat ein Stipendium!!! Und sie hat die Prüfung bestanden.
Das gröbste Gewarte war gefühlt vorbei und fing schon wieder an. Vorbereitung für die erste Studienwoche, Nachbereitung derselben und Vorbereitung der darauffolgenden und so weiter.

Wenn ich mich hier auf die Wanns konzentrieren und die damit verbundene ToDo-Listen, ist das die Gebrauchsanweisung zum Durchdrehen. Ich brauche drei ??? Kassetten und Kastaniensammeln in meinem erwachsenen Warten. Adventskaenderereignisse die prominenter im Kopf sind als Klausuren und Prüfungen. Nicht Wann ist ist die nächste Prüfung, sondern wann ist der nächste Kinoabend, wann ist die nächste Party, das Sushiessen und das Playstationdaddeln. und dazwischen kommen dann eben die erwachsenen Wanns. Ich brauche mehr kindliche Wanns denn für eine glückliche Kindheit ist es nie zu spät.
Und wer hat behauptet, dass die Kindheit wirklich vorbei sein muss?

24 September 2017

wi(e)der die Vernunft


Zu Beginn des Jahres wollte ich weiterhin wöchentlich schreiben. Aber dann kamen all die Dinge, die man eben machen muss, wenn man erwachsen und vernünftig ist dazwischen. Hobbies und Spaß wurden auf später verschoben.

Die letzten Monate waren neben der Arbeit gesteuert von den Dingen, die ich tun muss damit ich an irgendein Ziel in der Ferne komme. Überlegen was ich studieren werde, einen Kontakstudiengang und Brückenkurse belegen, damit ich ins Studium reinkomme, während des Urlaubs eine Hausarbeit schreiben und dazwischen zur Mutter fahren oder ein schlechtes Gewissen haben, weil ich eben nicht zur Mutter gefahren bin.
Die Dinge die man tun muss, sind alle wichtig und richtig und total vernünftig – eben erwachsenen Dinge.
Ich dachte am Ende des Sommers wird es besser, dann muss ich nur noch für die erste Prüfung lernen, die Bewerbung fürs Stipendium ist so oder so rum und ab Oktober habe ich eine reduzierte Stelle. Dann wird es entspannt.
Es hätte entspannt werden können, wenn meine Mutter nicht wie ein Stuntgirl von der eigenen Couch gestolpert wäre und sich gleich zwei Knochen gebrochen hätte – Schienbein und Wadenbein, ein offener Bruch und auch noch kompliziert. Drei Operationen bis die Knochen wider an der Stelle waren wo sie ursprünglich hingehören und drei weitere um das Bein mit Haut abzudecken. Dazu kommt ein kaputtes Herz, eine angeschlagene Lunge – ich zitiere: „Aber das Rauchen bekommt mit gut“ und Nieren die viel medikamentöse Ermutigung brauchen.
Ich lebe 450 Km weit weg, bin das einzige Kind und die Frau Mutter, auch Queen Mum genannt, hat keinen Freundeskreis der nennenswert wäre, weil niemand sie – ich zitiere wieder: „Alt und hässlich und als immobilen Krüppel“ sehen darf.
Also mache ich mir Sorgen und habe ein schlechtes Gewissen. Ich spiele brav meinen Part in dem: Du-kümmerst-Dich-nicht-genug-aber-ich-will-dir-auf-keinen-Fall-zur-Last-Fallen-du-bist-mit-Absicht-weggezogen-du-musst-aber-auch-mal-einen-freien-Tag-haben Achterbahnspektakel, dass sie iniziert. Ich stelle mich auf eine Heilungslangstrecke von mindestens drei Monaten ein.
Wenn man immer vernünftig ist, fällt man irgendwann um oder man eskaliert und kauft sich einen Porsche, den man sich nicht leisten kann, zündet das Haus seines Exchefs an oder nimmt einfach zu. Zunehmen ist mein Indikator für zu wenig Zeit für mich nutzen – ich finde Porsche doof und so viel dumme Chefs zum Hausanzünden habe ich nicht. Zehn Kilo. 10!!
Ich habe fast nur noch Stehhosen, weil darin sitzen nicht möglich ist – trotz Stretch!
Vor zwei Tagen bin ich mal wieder gelaufen. Das letzte Mal ist fast zwei Monate her und mich hingesetzt und einen ganzen Tag lang gelesen habe ich zuletzt im März.

Also muss ich die Bremse ziehen und mir Gutes tun. Dieser Blog ist etwas Gutes für mich. Er sortiert mich und wenn ich den vernünftigen Part in mir mal weglasse, kann ich sogar schreiben, was mich bewegt.
Ab jetzt soll wieder geblogt werden und zwar regelmäßig und gesportelt und auch gelesen, sonst werde ich noch wie meine Elterngeneration: viel Arbeit, wenig Spaß und multimorbide in die Rente.

29 Januar 2017

Veräppelt

Der treue Leser hat ganz richtig gesehen.
Das Weihnachtsgeld wurde in Appleprodukte und eine Bildschirm investiert, weil der alte Rechner nun ins neunte Jahr kam. In Computerjahren ist das so alt wie Metusalem.
Metusalem musste also in Rente und hier ist er der Neue:




Und um irgendwelchen, zu persönlichem Applehass-Berufenenen den Wind aus den Segeln zu nehmen:

Ja es ist teurer!
Ja man zahlt den Namen mit!
und auch zu viele anderen Argumenten ja!


Ich freu mich, weil es von Anfang an funktioniert, weil ein Technikdepp wie ich es raffen kann und es Spass macht, damit zu arbeiten.
Ich lache nicht über Menschen, die sich eine Rolex kaufen sondern sage: “Schöne Uhr, kann ich mir nicht leisten, will es vielleicht auch nicht und meine Swatch reicht mir", und fertig.


Hole ich mir künstliche Nackenkrauler, weil ich so irre sparsam bin und mir keine Rolex kaufe? Nein!!
Aber man muss jeden Kauf eines Appleproduktes bei anderen kommentieren!
Mir geht das Gezeter der Applegegner langsam auf den Keks.
 Natürlich darf man sagen warum man was doof findet, aber man muss auch damit leben, wenn ich dann sage warum ich es eben nicht doof, sondern sehr ausgeklügelt finde. 


Man kann anscheinend nicht neurtral zu dieser Marke stehen. Entweder man mag die Marke oder man hasst sie.


Ich darf mir anhören, dass DIE alles kontrollieren wollen. Mit DIE ist immer Apple gemeint. Der standardisierte Applefeind, weiß um das Kollektiv Apple und nennt es deshalb DIE.  Ähnlich wie die Borg. Und ähnlich wie die Borg wollen Apple einen assimilieren und zwingen im Appleuniversum zu bleiben. Das Apple mit Windows kompatibel ist wird hier ignoriert.

Außerdem lassen DIE sich nicht ins System gucken und somit ist ganz klar, dass DIE meine Daten ausspionieren und zu ihren Gunsten verwenden.
Das sind die Argumente der Leute, die WhatsApp haben und bei Google surfen und dort ein Konto haben. Alles klar.?

Ein Freund von uns ist begeistert über sein preiswertes Tablett im Vergleich zu meinem „überteuerten“ Ipad. Mittlerweile hat er jetzt das dritte Tablett, weil die ständig softwearmäßig kaputt gehen. Ich besitze noch immer das Gleiche Ipad.
Aber er hat gespart. Reibe ich ihm das ständig unter die Nase? Nein! Er scheint zu brauchen, billiger zu kaufen und keine Nobelmarke zu haben. Alles klar!

Nobelmarke! Genau, man hat nur Appleprodukte, wenn man Grafikdesigner oder dj ist (dafür gibt es noch die Berechtigung)Alle anderen wissen eh nichts damit anzufangen und versuchen nur ihr mickriges Selbstbewusstsein über ein Markenprodukt aufzuwerten.

Eher nicht! Ich habe nur keine Zeit und Lust mich ständig mit meinem Computer beschäftigen zu müssen, anstatt meinen Computer zu benutzen um mich mit mir wichtigen Dingen zu beschäftigen.

Übrigens bin ich auch noch ein Hipster, weil ich Appleprodukte habe. Das sind schon zwei hassenswerte Dinge, Apple und Hipster. Ich trage zwar keinen wirren Knoten und übergroße Kleidung. Und weil es Winter ist, sind auch meine Knöchel bedeckt. Aber ich habe Appleprodukte und deshalb bin ich ein verabscheuungswürdiger Hipster („Hipschter" für die Schwaben).
Das stört mich allerdings weniger, weil man um ein real Hipster zu sein etwa dreißig sein muss. Danke für das Kompliment!

Also liebe Applehater und -detester. Freut euch weil ihr so fein sparen könnt und keine Markenartikel braucht um euer Selbstbewusstsein zu puschen. Jubelt weil Apple-user dumm sind und ihr nicht und lasst uns mal in Ruhe ein Bier trinken und über wirklich wichtige Dinge reden!